Es lebte einst in dem fernen Bergland Schweiz eine Breitmaulfröschin.

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Ich denke, sie war ein ganz normaler Frosch, ein bisschen behäbig, mit einem weichen Herz. Sie hatte eine schöne Stimme und liebte es, zu quaken, zu singen und ab und zu auch Spässe zu machen. Eines Tages dachte sie, sie könne mit ihrer Gabe doch auch andere Menschen beglücken.

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Sie machte sich also auf eine lange Wanderung, na, eigentlich mehr Reise, und zwar in ein anderes Bergland, nämlich nach Oesterreich, nach Salzburg.

In Salzburg regnete es die ganze Zeit, man würde denken, das würde die Fröschin lieben, aber dem ist gar nicht so. Ich glaube, sie ist doch nicht eine ganz normale Fröschin! Aber das ist eine andere Geschichte.

Auf jeden Fall reiste die Breitmaulfröschin in ein Gebäude, um Klangtherapie zu studieren.

Ja, Klang….. das erste, was sie in die Hand gedrückt bekam, um nun mit der Klangtherapie zu beginnen, war ein Didgeridoo. Das ist ein grosses, langes Holzding, so ein Rohr, oben etwas dünner als unten. Oben bläst man rein und unten kommen die wunderlichsten, mystischen Töne raus.

 

Voller Enthusiasmus bläst also die Fröschin rein, und raus kommt: NICHTS!! Nur Luft! Kein Ton!

Deswegen musste sie zuerst üben, mit den Lippen so komisch zu vibrieren, damit die Luft aus dem Mund mit einem schmalen Strahl herauskommt. Aber stellt Euch einen Breitmaulfrosch vor, da kommt über die ganze Breite des riesigen Froschmauls Luft raus! "Du musst Deine Lippen spitzen, wie wenn Du jemanden abbusseln würdest", erklärt der Dozent mit spitzigem Mund. Die Fröschin versucht und versucht, die Lippen bleiben breit, sie sabbert und blubbert – sie hat offenbar vergessen, wie man busselt.

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In der Nacht schlief die Fröschin kaum, sondern übte mit "spitzem" Maul die Vibration der Lippen. Allerdings stand kein Frosch zur Verfügung, so hat sie zuerst ihr Kopfkissen abgebusselt – der Mund blieb einfach immer breit – dann hat sie es mit anderen Dingen versucht, und endlich klappte es: mit einer CocaCola-Flasche! Ihre Lippen bewegten sich vibrierend!

 

Am nächsten Tag erscheint die Fröschin wieder zum Unterricht, und siehe da: es kamen Töne aus dem Didgeridoo, zuerst zwar nur Pupser, von Babyfürzlein bis Elefantenkracher, dann Hochseedampfergetute, und endlich, ein Wunder, ein richtig tiefer Ton!

Und aus der Breitmaulfröschin ist, wie durch ein Wunder, eine Spitzmaulfröschin geworden!

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© Layali Römer, Klangzentrum Zürich